Hueffer Spectaculum


"...doch das Paradies ist verriegelt.
Wir müssen die Reise um die Welt machen und sehen,
ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist."


Das Wohnheim "Hueffer Heide" in Bünde ist eine Einrichtung der Lebenshilfe Lübbecke e.V. Bei uns leben Menschen mit einer geistigen und/oder körperlichen Behinderung.

Neben der Bereitstellung von Wohnplätzen ist der Hauptbestandteil unserer Arbeit die Normalisierung und Verselbständigung vor dem Hintergrund der individuellen Handicaps unserer Bewohner. Wir begreifen jeden Bewohner als Individuum mit Recht auf ein größtmögliches Maß an Selbstbestimmung und versuchen diesen Anspruch im täglichen Miteinander zu verwirklichen. Im Rahmen von Freizeitgestaltung nehmen wir mit unseren Bewohnern u.a. an kulturellen und sportlichen Angeboten teil.

Vor einiger Zeit entstand die Idee, mit interessierten Bewohnern eine Gauklergruppe aufzubauen. Unsere Gaukler erlernten "mittelalterliche Künste" wie Feuerspucken, Jonglagen, Akrobatik, Zauberei, verschiedene Gesänge, Fakirkünste und vieles mehr. Gemeinsam erarbeiteten wir den Programmablauf, probten die unterschiedlichsten Szenen, Kostüme wurden entworfen und angefertigt...


Eine Gauklertruppe - überwinden normaler Grenzen ?!

Gumpelluite, giger unde tamburer, swie die geheizen sin, alle die guot für ere nement, Fahrende also, ziehen seit dem Niedergang des Römischen Imperiums durch Westeuropa. Von Anfang an dabei sind die Fechtbrüder, ehemalige Gladiatoren, die auf dem Weg in ihre Heimatländer sich den Unterhalt durch die Schaustellung ihrer Künste zu erwerben dachten. Übrigens stellten die Fechter ihre Kunst nicht nur zur Schau. Sie vertraten gegen Honorar auch Adelige in Duellen. In der karolingischen Epoche dann sind schon alle Arten der Gaukelei vorhanden, wie wir sie später auf den mittelalterlichen Konzilen, Messen, Wallfahrten und Erntedankfesten finden: Waffenkämpfer, starke Männer und Ringer, Possenreißer und Mimiker, dann Seiltänzer, Puppenspieler, Leute mit abgerichteten Tieren, Bären, Affen, Hunden, Schlangen, allerlei Spielleute, Zauberer, Wahrsager und Quacksalber, Tänzerinnen und Huren.

Die Rechtsaufzeichnungen des Mittelalters, vor allem die großen Rechtsbücher, der Sachsen- und der Schwabenspiegel, kodifizieren die Rechtlosigkeit. Ähnliche Bestimmungen enthielt das schwäbische Landrecht: Spielleuten und allen denen, die Gut für Ehre nehmen ... denen gibt man eines Mannes Schatten von der Sonne, das heißt: wer ihnen Leides getan hat und dies büßen soll, der soll vor eine von der Sonne beschienene Wand treten und der Spielmann soll herzugehen und den Schatten an der Wand an den Hals schlagen. Mit dieser Rache soll ihm Buße geleistet sein. Die Landfriedenserlässe von 1244, 1256 und 1281 schlossen alle Fahrenden aus und erklärten sie für friedlos, was de facto Vogelfreiheit bedeutete.


So war es gestattet, einen Klopffechter um Geld zu erschlagen, wie einen herrenlosen Hund, ohne dass diese Tat irgendwelche Folgen nach sich gezogen hätte. Erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts wird der Begriff der Unehrlichkeit den Fahrenden genommen und nun nur noch auf das Henkertum angewendet. Trotz religiöser Verwünschung und öffentlicher Ächtung behaupteten sich die Gaukler. Zwar mochte man die Menschen nicht, doch ihren Produktionen sah man gerne zu.

Die Gaukler traten bei Messen, religiösen und weltlichen Festen auf, immer dann, wenn sich in den Städten viele Menschen sammelten, oder sie zogen über Land, von Dorf zu Dorf.

Doch kennt die feudale Gesellschaft einen zweiten Ort des Auftretens: die Höfe. Auch sie brauchen Belustigung. Zu großen Festen kamen oftmals hunderte von Gauklern. Sie dienten dem Amüsement, waren das andere im Ritual der Feste, manchmal schlecht entlohnt. Der Adel sah ihnen dem zu, was ihm selbst zu tun verwehrt war. Mußte der Bauerntanz das beibringen, was dem höfischen fehlte, so verhielt es sich ähnlich mit den Gauklern und ihren Künsten.
(Aus: "Circus" Verfasser Bose und Breückmann Berlin, 1978)

Das "Hueffer spectaculum" besteht aus Sylvia, Monika, Gudrun, Hans, Mark, Petra, Dörte, Thomas, Yvonne, Andreas und Marco. Sie singen Moritat, zaubern, lassen eine Jungfrau schweben, jonglieren, zeigen akrobatische Kunststücke, laufen über Scherben, liegen unter dem Nagelbrett, und spucken sogar Feuer.

Zuschauer erleben Wunder groß und rar. Vollbrachte Magie und Teufelsmacht lassen den Atem stocken, und Applaus den Eifer der Gruppe sich in das Unermessliche steigern. Der Zauberer entführt völlig ungeniert in andere Welten, wo ihr das Staunen lernt. Schräge Vögel an Gitarren, sind da mit ihrem alten Karren, und spielen für Euch auf. Natürlich gibt es auch einen starken Mann zu sehen, den nur noch seine Holde übertreffen kann. So frißt sie nicht nur Eisenstangen, sondern zum Abend auch noch ein Schwein. Schnelle Menschen mit flinken Händen kommen hereinjongliert. Die Keulen fliegen vom Kopf bis zur Lende, für bare Münze hier. Die Turner und die Narren, sie kommen mit viel Lärm, bau’n Türme aus lebenden Menschen, da dreht sich euer Gedärm. Bezaubernde Damen tanzen auf Scherben, auf Nägeln tuts der Fakir. Auch Feuerfresser werdet ihr sehen, sie zeigen unglaubliches hier. Sie ziehn sich in den Magen das glühende Feuer rein, um es hernach wieder auszuspeien, mitten ins Volk hinein. Requisiten, Kostüme und Musik runden das Bild einer mittelalterlichen Gauklervorstellung ab.

Das Programm dauert ca. 40 Minuten.

Zu engagieren sind wir unter der Adresse:

Wohnheim Hueffer Heide
Pestalozzistraße 1-3 · 32257 Bünde

Tel. 05223/522910 · Fax 05223/522911

E-Mail: info@wub-luebbecke.de


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